"Die Denkwerkstatt" des SPD Ortsverein Icking

Dr. Beatrice Wagner, Redaktion u. Moderation der Denkwerkstatt
© Dr. Beatrice Wagner

Dr. Beatrice Wagner
Erste Vorsitzende

SPD Ortsverein Icking
Redaktion und Moderation der "Ickinger Denkwerkstatt"

82057 Icking
Email: Beatrice.Wagner@spd-icking.de

"Die Denkwerkstatt" des SPD Ortsverein Icking
"Die Denkwerkstatt" des SPD Ortsverein Icking

Die SPD Icking ist seit Jahren sehr aktiv. Wir arbeiten zusammen in der "Denkwerkstatt" des SPD Ortsvereins Icking, die Ergebnisse unserer Arbeit machen wir nachstehend verfügbar.

Trees of the World
Bäume der Welt
1 Eiche, Hohenlohe │ 2 Gerichtslinde, Tengen │ 3 Giant Baobab, Madagascar │
4 Kameldornbaum, Namibia │ 5 Bonsai, Japan

Und Du: "Meinst du noch, oder denkst du schon!"

Unsere Ickinger Denkwerkstatt

und die Denkzettel der letzten Workshops der Denkwerkstatt:

Hier erscheint in Kürze der Artikel 'Ökologische Ökonomie'!

Denkzettel 2 Datum: 6. 4. 2019

"Denkwerkstatt 2", 6.4.2019 SPD Ortsverein Icking (PDF, 401 kB)

Denkzettel 1 Datum: 22-09-2018
"Denkzettel No.: 1, Datum: 22. 09. 2018 (PDF, 535 kB)

Warum eine Denkwerkstatt

von Beatrice Wagner, 22. 09.2018

Frei heraus denken, bis die Köpfe rauchen, im Kreise von Gleichgesinnten auf jeweils ein Thema konzentriert – so sieht unsere Denkwerkstatt aus. Wir bezeichnen damit ein halb-institutionalisiertes Zusammentreffen von einigen Quer- und Vorausdenkern, moderiert und vorbereitet von jeweils 2 Teammitgliedern, und das Ganze einmal im Quartal.

Die Denkwerkstatt ist ein Organ der Ickinger SPD. Sie bietet den Raum, einmal ohne die geistige Bremse eines verzagten „das geht sowieso nicht“ über landesweite und globale Probleme nachzudenken. Ganz bewusst stellt die Denkwerkstatt damit das Lokale zunächst hinten an, denn sie will „groß denken“. Mit den gut durchdachten Ergebnissen wollen wir uns dann öffentlich positionieren! Und natürlich können diese dann wieder ins Lokale rückgeführt werden. Aber eben nicht nur. Wir wollen uns mit unseren Statements auch in der „großen Politik“ zu Wort melden und uns Gehör verschaffen. Denn eines ist klar: Ob Icking oder Peking – es ist doch egal, wo gute Ideen geboren werden, Hauptsache sie entstehen überhaupt!

Die Initiatoren der Denkwerkstatt sind Beatrice Wagner und Sebastian d’Huc.

...und für die Schnellleser unter uns, das Original in Form einer PDF-Datei!

[""Denkwerkstatt" SPD Ortsverein Icking, Warum eine Denkwerkstatt (PDF, 542 kB)
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Hier noch einige Auszüge aus meiner Eingangsrede:

Ist es nicht so, dass die Naturzerstörung besorgniserregende Ausmaße erreicht hat? Dass wir keine Ahnung haben, was mit dem Klimawandel auf uns zukommt? Dass Gerechtigkeit eher wieder am Abbau ist, auch in der Demokratie? Dass wir auch das Gefühl haben, die großen Finanzen stimmen nicht mehr? (Steueroasen, Spekulanten, Abhängigkeiten von Kapitalmärkten ...) Und dass wir auch den Technologiewandel – künstliche Intelligenz, Gentechnik – überhaupt nicht einschätzen können?

Die Bürger sind verunsichert und chronisch überfordert wegen der großen Probleme der Welt.

Wir sehen gleichzeitig den Aufstieg einer rechten demokratiefeindlichen Partei. Die AfD spürt auch, dass etwas aus dem Ruder läuft. Sie gibt Antworten. Es sind keine guten Antworten, sondern kurzsichtige und brandgefährliche. Aber sie greift dieses Gefühl auf, dass etwas nicht mehr stimmt und trifft damit den Nerv von vielen.

Wie finden wir weitsichtige Antworten?

Es ist prinzipiell schwierig, eine Lösung auf der Ebene zu finden, auf der das Problem entstanden ist. Wir leben in unserem System und brauchen für unsere Lösungen quasi einen übergeordneten Blick. Beispiel: Wenn ich im U-Boot bin, kann ich nicht erkennen, wie die Welt über der Wasseroberfläche aussieht. Und genau das Problem haben wir: Wir leben in unserer Gesellschaft und müssen uns Lösungen vorstellen, die über uns hinausgehen. Es ist unmöglich, etwas Übergeordnetes zu erkennen, wenn wir immer nur in unseren eigenen Horizont vor Augen haben. „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ – meinte Albert Einstein dazu.

Das ist die Lage. Was können wir machen? Für das U-Boot wurde eine Lösung gefunden. Es gibt ein ausfahrbares Periskop, es ermöglicht den Insassen eine neue Perspektive, nämlich die von oben. Was heißt das auf uns bezogen? Wir brauchen auch neue Perspektiven, um unsere Denkweise zu verändern. Eigentlich bräuchten wir eine Art Gott-Perspektive, von der aus alles durchschaut und überblickt wird. Aber wir sind nun mal ans Menschsein gefesselt, und damit an die Beschränkungen unseres Denkens.

Die Methode 'Querdenken'

Es gibt aber eine Methode, mit der wir unsere Beschränkungen austricksen können. Das ist das Querdenken. Wenn wir z. B. eine gegenteilige oder ganz ungewöhnliche Perspektive einnehmen, und mal völlig andere Antworten zulassen. Das Quergedachte ist deswegen nicht von vorneherein richtig. Und das Altgedachte nicht von vorneherein falsch. Aber das Altgedachte muss sich gegenüber dem Quergedachten bewähren. Wenn das gelingt, geht das Altgedachte gestärkt aus der Überlegung heraus. Wenn es nicht gelingt, muss es verändert oder gar ersetzt werden.

Die SPD: 'Das Undenkbare gedacht'

Die SPD hat in ihren Ursprungsjahren genau das gemacht. Sie hat das Undenkbare gemacht. Kurzer Rückblick: Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs eine neue Gesellschaftsschicht heran, die Masse der Arbeiter, die immer mehr arbeiten mussten und immer weniger verdient haben. Es herrschten Standesdünkel und Klassenunterschiede. Jetzt passierte folgendes: Es gab die Not der Arbeiter und ihre Unzufriedenheit und es gab die geistigen Vordenker, welche die Not in Worte gefasst haben. Marx & Engels im kommunistischen Manifest (1848), Wilhelm Liebknecht und August Bebel mit ihrer Gründung der Sozialdemokratische Arbeiterpartei (1869). Und dann 1875 – unser offizielles Gründungsjahr, als sich die beiden Bewegungen zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands vereinten (ab 1890 SPD genannt).

Die 1,2,3-Abfolge des Erfolgs
1. Auf die Schieflage – Menschliche Ungerechtigkeit/Ungleichheit, die Ausbeutung –kam die Empörung.
2. Dann kam das Denken und das in Worte fassen, ein Manifest schreiben. Das Problem wurde greifbar.
3. Dann kam die Entscheidung, dem Ganzen ein politisches Gewicht zu geben, und damit auch ins System einzugreifen.

Aber es fehlt noch eine Zutat, etwas ganz Wichtiges: Mut!
Denn der sozialistischen Bewegung wurde es nicht leicht gemacht.
Siehe das Sozialistengesetz unter Bismarck („Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, 1878 bis 1890).
Siehe den Widerstand der SPD gegen die NSDAP 1933.
Siehe auch die Gründung des OV Icking, die ersten Mitglieder sind teilweise geschmäht worden und haben die Nachteile in Kauf genommen.
Wir brauchen also Mut, unsere Meinung zu denken, sie zu sagen, sich dafür einzusetzen und Nachteile in Kauf zu nehmen.

Jetzt kommt, worauf ich hinwill: Wenn wir das Wesen der SPD anschauen, dann zeigt sich hier doch etwas Besonderes: Es ist eine Partei, welche die schreienden Ungerechtigkeiten gegenüber Mensch und Natur erkennt, sich empört, Lösungen denkt (keine einfachen AfD-Lösungen, sondern übergreifende weitgedachte Lösungen) – und die dann mutig dafür aufsteht! Das ist doch die eigentliche Aussage des Gründungsmythos.

Die heutigen Vordenker

Natürlich haben sich viele Leute schon damit befasst und Erklärungen gefunden, z. B. dass wir über unsere Verhältnisse reden, unsere Ressourcen übermäßig ausbeuten. Wir hatten bereits im August den virtuellen Tag, an dem die Welt mehr verbraucht als an Ressourcen nachwächst. Ab August eines jeden Jahres leben wir auf Kosten der künftigen Generationen und auch auf Kosten anderer Länder.

Ich stelle nun Fragen, die mich im Zusammenhang unserer heutigen Denkfabrik beschäftigt:
• Was ist die neue Aufgabe von der die SPD, die ehemalige Rebellenpartei?
• Wo liegt die heutige „schreiende Ungerechtigkeit“, derer wir uns annehmen können?
• Müssen wir die Arbeiterpartei zur Partei der Entrechteten machen?
• Wer ist entrechtet? Gehören da auch die Näherinnen in Bangladesch hinzu, die unsere billigen T-Shirts fabrizieren?
• Gehören da auch die Wälder hinzu, die wir opfern, um Braunkohle zu schürfen?
• Geht es vielleicht insgesamt darum, ein neues Verteilungskonzept zu denken und zu fragen?
• Ein qualitatives Wachstumskonzept?
• Muss den Wachstumsprozessen ein ethisches Korrektiv geben? Also: Ich darf nicht mehr alles, was ich tun kann. Will die SPD das Korrektiv sein? Braucht es eine Wachstumsbremse?
• Wo können wir damit anfangen?

Die Gedanken anderer:

Natürlich erfinden wir das Rad nicht neu, sondern beziehen uns auf geistige Vordenker. Einige der Wertgeschätzten für unsere erste Denkfabrik sind diese;
Definition: Demokratische Sozialismus (Marx & Engels), steht für egalitäres Gerechtigkeitskonzept, bejaht den demokratischen Rechtsstaat, strebt sozialstaatliche Sicherungen aller Bürger an, will das Privateigentum sozialverträglich begrenzen und den Wirtschaftssektor gesellschaftlich einbinden und politisch regulieren.
• Heute haben wir eine kapitalistische Demokratie (laut Piketty) mit den Werten: „Geld regiert die Welt“ und „Wirtschaftswachstum über alles“.
Hans-Peter Dürr (Warum es ums Ganze geht, Neues Denken für eine Welt im Umbruch): Wir sind von unserer Umwelt abhängig, genauso wie die Umwelt von uns. Aus diesem Grunde sollten wir nicht versuchen die Natur mit aller Gewalt für uns zurechtzubiegen, da dies verheerende Folgen für uns selbst haben kann.
Die maximale Belastung unseres Biosystems durch unsere Eingriffe scheint bei ca. einem Viertel der Stabilisierungsleistung der Sonne zu liegen, d.h. der zur Aufrechterhaltung der Biosphäre durch die Sonne eingestrahlten Energie. Wir verbrauchen jetzt schon mehr als dieses Viertel der sog. Stabilisierungsleistung der Sonne als Primärenergie, um arbeitsfähige Energie zu verbrauchen, die sich ab einer bestimmten Größenordnung eben desaströs auf das Ökosystem auswirkt. Die Chinesen (exemplarisch) eskalieren diese Situation nur.
Hans Jonas (Prinzip Verantwortung): Das Orientierungswissen hinkt dem technischen Wissen hinter her; wir kommen immer schneller voran, können immer mehr tun, aber wir wissen aber nicht, wohin die Reise geht, oder was wir gestalten wollen.
Niko Paech und Stephan Lessenich: Zeit, die Abhängigkeit Europas vom Wachstum zu beenden. Postwachstumsökonomie.
Stéphane Hessel (Empört Euch): Rückbesinnung auf die „UN-Menschenrechts-Charta“: Existenzgrundlage für alle, Energieversorgung und Großbanken verstaatlichen, keine Monopolisierung von Produktionsmitteln....
Steve Jobs (Thema Vorausdenken): You can't just ask customers what they want and then try to give that to them. By the time you get it built, they'll want something new.
Umwelt: Umweltzerstörung ist an Diversitätszerstörung zu messen. Es stirbt die Anzahl an Lebensentwürfen. Und größer als die Umweltverschmutzung ist die Verschmutzung nach innen.
• *Finanzen:** Menschen werden in immer größere Abhängigkeiten hinein-manövriert: Schulden aus dem Kollaps von Kapitalmärkten und Banken wird auf die Sparer/Bevölkerung abgewälzt (Stichpunkt Niedrigzinspolitik): 630 Mrd. $US zwischen 2008 und 2013 alleine.
Datensammeln: Kommerzielle Verfügbarkeit persönlicher Daten als Handels- und Spekulationsware (Dataismus) versteht das Individuum als Summa an Daten, macht es verfügbar und manipulierbar und schränkt seinen Handlungsspielraum ein …

Dr. Beatrice Wagner, erste Vorsitzende

Sebastian d'Huc
Autor in der Ickinger Denkwerkstatt