von Beatrice Wagner
(13.5.2024) Die Coronapandemie ist vorbei, doch die Erinnerungen an die Maßnahmen leben. Vielerorts wird den Politikern vorgeworfen, sie hätten zu lange zu harte Maßnahmen befürwortet und durchgesetzt.
Als Vorsitzende der Ickinger SPD habe ich Kontakt mit damaligen Gegnern ebenso wie mit Befürwortern vieler Maßnahmen und wurde aus der Bevölkerung aufgerufen, mich zu positionieren. Das mache ich gerne.
Ich will den Wert der Impfung damit nicht schmälern, und ich selbst war froh, geimpft worden zu sein. Doch deren Wirkung war nicht so stark und deren Nebenwirkungen nicht so harmlos wie kommuniziert. Dies nicht klar auszusprechen war falsch, man hätte das viel besser, genauer, systematischer erforschen und differenziert kommunizieren und um das Vertrauen der Menschen werben müssen. Auch bin ich der festen Meinung, dass man die Erkenntnisse der Wissenschaftler, die nicht mit der offiziellen Meinung des RKI einhergingen, hätte hören und diskutieren müssen. So aber wurden alle Mahner und Gegner der Corona-Maßnahmen in Gänze einfach als „Schwurbler“ dargestellt. Diese Ausgrenzung und Diffamierung hat m.E. erst dazu geführt, dass sich ein Großteil der Bevölkerung abgespalten hat und sich bis heute von der Politik nicht mehr vertreten fühlt.
Zurzeit gibt es einige Anträge und Vorschläge der SPD und auch von anderen Parteien für eine Aufarbeitung der Coronamaßnahmen. So hat der SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich vorgeschlagen, die Corona-Politik von einem Bürgerrat bewerten zu lassen. Eine gute Idee, um die Bürger zu Wort kommen zu lassen. Der Vorsitzende der Bayern-SPD, Florian von Brunn, setzt sich im Landtag und in der Öffentlichkeit für eine Aufarbeitung ein, gegen die Meinung der CSU. Auch die Jusos in Bayern haben bereits einen mehrseitigen Antrag für eine Aufarbeitung der Coronamaßnahmen gestellt.
Und ich möchte an dieser Stelle appellieren, die Gespräche innerhalb der Familie, des Freundes- und Bekanntenkreises zu suchen. Auf persönlicher Ebene sollten wir mit gutem Beispiel vorangehen und nicht warten, bis die offizielle Aufarbeitung stattgefunden hat. Lasst uns das Unsere dazu beitragen, damit die Gräben, die sich damals aufgetan haben, wieder geschlossen werden.
Bild (c) privat: Zu Beginn der Coronapandemie gab es selbstgemachte Masken.
